Dienstag, 9. Mai 2017

München, I mog Di



Max Scharnigg hat in seinem Blog einen tollen Artikel über München geschrieben und seiner Wut über das miefige München mal so richtig Luft gemacht. Kurz darauf kam dann die ebenso lesenswerte Widerrede von Marc Baumann. Die beiden Texte haben mich ins Grübeln gebracht: Die Kritikpunkte von Max Scharnigg stimmen alle. Und auch die Frage von Marc Baumann ist berechtigt: Warum wohnt eigentlich überhaupt noch jemand da, obwohl doch so vieles nervt?

Vielleicht ist die Beziehung zu Städten ja ein bisschen so wie die Beziehung zu Menschen: bei weitem nicht perfekt, voller Höhen und Tiefen und geprägt von gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen...

Ich selbst bin ja kein Münchner Kindl, also nicht in München geboren, sondern in einem kleinen Ort im Münchner Umland. Und für mich, das Mädel vom Land, war München immer die große, faszinierende Unbekannte. Aber gleichzeitig bin ich doch in gewisser Weise mit München aufgewachsen: mit Polizeiinspektion 1, der Hausmeisterin und Monaco Franze im Fernsehen, dank zahlreicher Museumsbesuche mit der Schule, mittels vieler Stippvisiten im Tierpark Hellabrunn und natürlich alle Jahre wieder: durch die Wies'n.
Als es 1984 in München Hagelkörner so groß wie Hühnereier regnete, war ich so betroffen, als wäre ich dabei gewesen.

Ich wurde älter und irgendwann wagte ich kleines Landei mich auch mal allein in die große Stadt: Zum Beispiel fuhr ich immer zu diesem einen speziellen Jeans Laden am Hauptbahnhof, bei dem die Original Levi's 501 nur 100 Mark kostete statt 160. Und selbstverständlich war mein erstes großes Konzert in der Münchner Olympiahalle. Es waren die New Kids on the Block, aber hey ich war 14 :-)

Ich weiß auch noch genau, wann in mir der Wunsch aufkeimte, in München an der LMU zu studieren... Wir standen während eines Schulausfluges im Lichthof des Uni Hauptgebäudes, und unser Deutsch- und Sozialkundelehrer erzählte uns von den Gebrüdern Scholl und wie sie dereinst Ihre Flugblätter dort verteilten, und man konnte die Geschichte beinahe anfassen, beinahe spüren.

Die unvermeidbare, nervige Wohnungssuche folgte auf dem Fuße: Ich war auf Wohnungsbesichtigungen mit 120 anderen bei denen am Ende die Wohnung immer an die Blondine ging, die BWL studierte und dem Makler einen braunen Umschlag in die Hand drückte. Diese Erinnerungen gehören zweifelsohne nicht zu meinen Schönsten.

Aber irgendwann war sie da, die erste eigene Wohnung. Sie war zu dunkel, zu klein und zu teuer aber sie war MEINE Wohnung. Sie gehörte auch nicht zu den architektonischen Sahnestückchen, das hätte ich mir nicht leisten können. Aus dem gleichen Grund befand sie sich auch an einer vielbefahrenen Straße. Aber ich erinnere mich immer wehmütig an sie.

Die Wohnung lag ganz in der Nähe des Goetheplatzes und wenn man zur Wies'n Zeit das Fenster öffnete roch es nach Steckerlfisch, Zuckerwatte und gebrannten Mandeln.
Überhaupt die Wies'n... Ich habe immer gerne Touristen den Weg vom Goetheplatz zur Wies'n erklärt. Die Wegbeschreibung ist übrigens ziemlich simpel: Gehen Sie einfach da lang wo gerade jeder hingeht. Und noch heute muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn zur Okotoberfest-Zeit die Verkehrsnachrichten auf italienisch durchgesagt werden.

Irgendwie erfüllt einen die Wies'n doch jedes Jahr mit einem gewissen Stolz der Einheimischen: Alle Jahre wieder strömen Millionen Menschen nach München aber nur wir, die wir tagtäglich in München leben wissen, warum man sich während des Oktoberfestes NICHT auf die Wiese rund um die Bavaria setzen sollte und nur wir wissen, wo man auch zur Wies'n Zeit noch Parkplätze findet und nein, wir werden sie nicht verraten ;)

Ich denke, jede Stadt hat ihre Geheimtipps, die man nicht im Stadtführer findet und die so individuell sind wie die eigenen Vorlieben. Wollt Ihr meine kulinarischen Top 3 Geheimtipps wissen? Dafür muss man keinen Tisch im Restaurant reservieren aber es kann sein, dass man dafür ein bisschen anstehen muss:
• Nr. 3: die Quarktaschen vom Höflinger an der Schleißheimer Straße - aber die kleinen, nicht die großen
• Nr. 2: die Nudelsuppe im Manam Thai in der Rosenheimer Straße und
• Nr. 1: der Kräuterschweinebraten im Feinschmecker am Kurfürstenplatz

Und dann erinnere ich mich immer gerne an den Sommer 2002 zurück: Es war Traumwetter, Fußball-WM in Südkorea und ich hatte gerade überhaupt keinen Sinn für Fußball denn ich wollte, nein ich musste für meine Prüfungen lernen. Und so saß ich jeden Tag in der Bibliothek im sogenannten Schweinchen-Bau - so heißt das Uni Gebäude wegen seiner wenig schmeichelnden Farbe direkt an der Leopoldstraße. Und während ich eigentlich doch so gar nichts mit Fußball am Hut hatte und umringt war von Büchern, so wusste ich doch dank Public Viewing draußen genau wer spielt und wie der Spielstand gerade ist. Und egal wer am Ende gewann, immer gab es einen tollen Autokorso der Fans der Siegermannschaft die gesammte Leopoldstraße entlang.

Später, als ich dann Mama wurde, entdeckte ich München noch einmal neu: Wie faszinierend und spannend U-Bahn, Bus- und Trambahnfahren sein kann, hat mir mein Sohn gezeigt. Wir saßen einmal eine volle Stunde am Josephsplatz und sahen nur herein- und herausfahrenden U-Bahnen zu. Unvergessen bleibt mir auch eine knapp zweistündige Trambahnfahrt als man beschloss, genau zur Wies'n Zeit im öffentlichen Nahverkehr zu streiken: Um meinen 18 Monate alten Sohn während dieser Zeit in der vollbesetzten, stickigen Tram inmitten genervter Fahrgäste bei Laune zu halten brauchte ich den gesamten Inhalt meines Rucksacks und einen großen Bounty Schokoriegel.

Mittlerweile sind wir aus München weggezogen. Wir wurden herausgetrieben von der Suche nach niedrigeren Immobilienpreisen und der Hoffnung auf eine entspanntere Krippen-Kiga-Hort Situation. Ersteres hat sich erfüllt, letzteres nun ja...eher nicht so.

Aber ich bin ja nicht weit weg, ganz im Gegenteil: Ich brauche nur eine S-Bahn Fahrt und schon bin ich wieder in "meinem" München. Und ich nutze die Gelegenheit so oft ich kann: Wo sonst kann man schon im Februar bei Fönwetter am Straßenrand sitzen, Basilikum-Limonen-Eis schlecken und sich wie in Italien fühlen? Und wenn mich das München-Weh ganz doll packt besuche ich die Agnesstraße wenn die Kirschbäume blühen oder spendiere Kassiopeia am Grab von Michael Ende ein Salatblatt.

Verlinkt bei Raumseeles Sonntagsblatt und Fräulein Ordnungs Wochenglück.


Sonntag, 26. März 2017

AllerlEi im März: Ostereier und Vichy Karo



dieses Jahr steht meine Ostereier Deko ganz im Zeichen des Vichy Karos. Allseits bekannt und beliebt sind ja die vielen Baumwollstoffe mit diesem Muster. Aber ich wollte dieses tolle Design unbedingt auf Papier zaubern, damit ich Ostereier damit dekorieren kann.
Ich zeige Euch heute zwei Möglichkeiten, das Vichy Karo aufs Ei zu bekommen:
1. mit Decoupage Softpapier und
2. durch Befüllen von Glas-Eiern mit Strohseide.

Freitag, 6. Januar 2017

Dekoversum Reispapier auf lackiertem Bambusholz


Hier ist sie nun: eine ausführliche Anleitung für die Verwendung von Dekoversum Reispapier auf lackiertem Holz. Als Motiv habe ich mir eine tolle, blaue Phalaenopsis Orchideenblüte ausgesucht. Eine kleine Geschichte dazu findet ihr hier.